Die Architekten Peter Kupferschmidt
und Jürgen Seifert von Kupferschmidt
Architekten München im Gespräch.

Moderne Architektur in einem Villenviertel des 19. Jahrhunderts – was heiSSt das für Sie als Architekten?

Kupferschmidt: Es ging uns um den sorgsamen Umgang mit dem historischen Umfeld. Wir wollten die damaligen architektonischen Grundhaltungen nicht zitieren, sondern übersetzen, weiterdenken. So gibt es beim Nachbarhaus und bei unserem Entwurf zwar eine Lochfassade, in der Anordnung der Fenster unterscheiden sie sich aber.

Seifert: Die klare Anordnung der Fenster beim Nachbarhaus haben wir in der Lessingstraße 3 durchbrochen. Hier ist es ein subtiles Gegeneinander, da die Fenster leicht versetzt sind. Die Umrandung der Fenster, die sich im Nachbarhaus findet, ist ebenfalls in unseren Entwurf eingeflossen, aber auch hier in einer modernen Übersetzung.

Was macht die Räume bzw. den Grundriss sowohl zeitgemäSS als auch zukunftsweisend?

Kupferschmidt: Die Flexibilität war uns sehr wichtig. Altbauten sind letztlich viel flexibler als so mancher Bau jüngeren Datums. Damals waren alle Zimmer relativ gleich groß und man konnte sich dann entscheiden, ob das nun ein Kinderzimmer wird oder doch ein Arbeitszimmer. Das geben Grundrisse heutzutage oft vor. Wir wollten, dass die Bewohner in der Lessingstraße 3 flexible Grundrisse vorfinden. Sie können entscheiden, wie viele Zimmer die Wohnung haben soll. Und wenn sich der Bedarf in einiger Zeit ändert, kann man eine eingezogene Wand auch wieder herausnehmen.

Wie sehen Sie das Motto Licht | Luft | Leben in der LessingstraSSe 3 verwirklicht?

Kupferschmidt: Die Ludwigsvorstadt wurde als Villenviertel für wohlhabende Bürger geplant. Die Gebäude stehen aufgelockert nebeneinander. Diese Lückenstellung ist eine gute Voraussetzung für viel Licht, das dann durch die großflächigen, bodentiefen Fenster für helle Räume sorgt.

Seifert: Die großen Fenster verwischen zudem die Grenze zwischen Innen und Außen. Die hohen Decken, die großzügigen Grundrisse und Balkone schaffen Raum und Weitläufigkeit. Und was das Leben angeht: Diese Kombination aus gehobener Wohngegend und zentraler Lage gibt es in München nur sehr selten.

Auf welches Detail hätten Sie unter keinen Umständen verzichtet?

Seifert: Die Umrahmung der Fenster mit verdeckt liegenden Fensterprofilen, die Glasbrüstung, die praktisch eine Brüstung in entmaterialisierter Form ist, und die verdeckten Fensterläden. Das sind alles außergewöhnliche Lösungen, die handwerklich ausgesprochen gut gemacht sind.

Kupferschmidt: Man kann sagen, dass rund um die Fenster unser Gestaltungswille kulminiert, während wir uns in der Gesamtheit des Bauwerks zurücknehmen und auf Klarheit setzen.

Was macht den Alltag in der LessingstraSSe 3 besonders angenehm?

Seifert: Trotz Innenstadtlage kann man hier im wahrsten Sinne des Wortes ruhig schlafen. Die Lessingstraße ist ja eine Anliegerstraße.

Kupferschmidt: Zugleich gibt es die Annehmlichkeiten des städtischen Lebens um die Ecke. Dennoch ist es sehr grün mit altem Baumbestand. Die Atmosphäre eines Villenviertels, das Großbürgerliche – das ist hier definitiv noch zu spüren.

Architekten Kupferschmidt Architekten: Peter Kupferschmidt,
Jürgen Seifert (von links)